Ich passe

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Drei Fehlversuche seit dem letzten Post, und voila, so langsam wird der Pulli so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Nach zahlreichen nicht besonders erfolgreichen Versuchen, traditionelle Fair-Isle – Muster in meine Maschenzahlen reinzuquetschen, habe ich irgendwann aufgegeben und ein eigenes Muster entworfen. So konnte ich es genau in die Keile einpassen und es in der Breite mitwachsen lassen, und es gefällt mir ganz gut soweit. Ich habe jetzt noch etwa ein Drittel meines vorbereiteten Musters zu stricken, danach muß ich erstmal sehen, ob die Passe noch höher werden muß, oder ob ich die Ärmel bereits separieren kann, und wenn ja, wieviele Maschen ich dann für die Ärmel brauche … dann muß ich nur noch mehr Muster malen und stricken, und dann die Fäden vernähen und den Pulli waschen und spannen, und dann kann ich ihn auch schon anziehen. Ist ja ein Klacks, gell.
Gelegentlich sehne ich mich wirklich nach einem stinklangweiligen Paar Stinos. Weiß auch nicht, warum.

Ohnegleichen

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„Ohnegleichen“, auf gut französisch „Sanspareil“, heißt der Ort, an dem wir in den letzten Wochen viel Zeit verbracht haben. Wunderschön ist es dort unter den hohen Bäumen, die Luft, das Licht, die Ruhe … perfekt zum Entschleunigen, aber auch perfekt, um ganz kleine Autos ganz groß in Szene zu setzen.

Ich rede von den beiden hier – Peanut (blau) und Geronimo (rot) müssen ja auch mal raus an die frische Luft. Sie sind Elektroautos und fahren mit 7.4V-Akkus, machen also kaum Lärm und verpesten nicht die Luft, deshalb dürfen sie auch im Wald fahren. Und in Sanspareil mit seiner wunderbar gewachsenen Kulisse aus Bäumen und Felsen gibt es eine Menge Abenteuer zu bestehen für die Jungs.

Peanut der Waghalsige beim Auskundschaften des Felsenvorsprungs beim Belvedere-Felsen. (Nein, die Treppen kommt er nicht allein hoch. Nein, wir waren nicht bereit, die Jungs die ganze steile Treppe hochzutragen. Wir sind zwar verrückt, aber so verrückt dann doch nicht.)

„… durch diese hohle Gasse muß er kommen …“- es führt nämlich kein anderer Weg vorbei an der Treppe

„… über Stock und über Steine, aber brich dir nicht die Beine Räder …“

Zwischendrin mal eine kurze Pause oben auf dem Felsen und ein bißchen die Aussicht und die Landschaft genießen. Ist vor allem für die Menschen an den Funken wichtig, die ja hinter den Jungs hinterherlaufen müssen, treppauf, treppab und rundherum.

Hier sehen wir die Jungstars des modernen Impro-Theaters im Felsentheater Sanspareil beim Curtain Call. *frotzel*

Ich könnte nicht mal genau sagen, was mir den meisten Spaß macht
… die ausgedehnten Spaziergänge an einem wirklich wunderschönen Ort?
… das Ausprobieren und Überlegen, wo mein kleines rotes Auto durchpaßt, wo es fahren kann und welche Steigungen es bewältigt?
… die Freude über ein weiteres gemeinsames Hobby, dem wir als Familie nachgehen können?
… die Jungs für Fotos in Szene zu setzen und immer neue interessante Perspektiven zu finden?
Wahrscheinlich alles zusammen. Der gestrige Spaziergang dauerte zwei Stunden und am Ende war ich ganz überrascht, daß wir tatsächlich so lange unterwegs waren. Entschleunigung pur, trotz kleiner Elektroflitzer voraus.

Das Ding mit der Rundpasse

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Gelegentlich habe ich halt einfach so dumme Anwandlungen. Zum Beispiel bilde ich mir ein, ich muß unbedingt einen bunten gemusterten Pulli stricken. Und natürlich nehme ich da nicht einfach irgendeine Anleitung her, sondern ich bilde mir ein, ich muß dann auch gleich noch das ganze Muster selber planen, sprich den ganzen Pulli komplett selbst designen. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil mein Blutdruck generell viel zu niedrig ist und das die kostengünstigste, leberschonendste Art darstellt, ihn ein bißchen in die Höhe zu treiben? (Im Moment erreicht er jedenfalls ungeahnte Höhen…)

Na ja, wie auch immer … dies hier ist der … äh … ich glaube, der vierte Versuch, einen Yoke, also eine Rundpasse, aus 16 Keilen mit verschiedenen Fair Isle – Mustern zu versehen, die sowohl hübsch zusammen aussehen als auch genau in die Keile bzw die Gesamtmaschenzahl passen. Das klingt tatsächlich leichter, als es in der Praxis ist. Immerhin habe ich schon einiges gelernt, als da wären:

  • Vergiß die Maschenzahl der einzelnen Keile, konzentrier dich lieber auf die Gesamtmaschenzahl, das erleichtert es ungemein, passende Muster zu finden.
  • Setz aber unbedingt Maschenmarkierer für die Keile, du mußt doch wissen, wann und wo du Maschen aufnehmen mußt.
  • Muster müssen nicht unbedingt direkt auf einander folgen. Im Gegenteil, es sieht viel besser aus, wenn dazwischen ein paar Reihen Luft sind. Das erleichtert übrigens auch die Farbwechsel sehr.
  • Es empfiehlt sich, beim Stricken die Fäden nicht gleich nach jedem Segment abzuschneiden, sondern erstmal auszuprobieren, ob die Farben harmonieren und ob das Muster sich im Gestrick tatsächlich so harmonisch einfügt, wie es auf dem Papier aussah.
  • Hab immer, wirklich IMMER, Bleistift, Radiergummi und Schmierzettel bereit. Du wirst immer wieder sehr viel ändern. Sehr viel. Genauer gesagt SEHR VIEL.

Immerhin ist die Wolle soooo schön. Es ist Drops Baby Merino und lauter schönen Farben – Puder, Amethyst, Lavendel, Türkis, Helltürkis, Marine, Weiß, Hellgrau, Anthrazit, Rotbraun, Cerise (das ist das knallige Pink vorne dran), Gelb und Zitrone (das ist das etwas dunklere Gelb oben rechts, und nein, ich weiß auch nicht genau, wieso das Zitrone heißt, denn das „richtige“ Gelb ist für mein Empfinden viel zitroniger, aber man muß nicht alles verstehen). Die Wolle ist so schön weich, hat ein megatolles Maschenbild, hält auch das Ribbeln gut aus, und kostengünstig ist sie auch, was für so einen ersten Versuch, der im blödesten Fall mit „mach mal die Mülltonne auf“ endet, ja auch nicht so ganz unerheblich ist.

Sollte dieser Pulli jemals fertig werden und ich nicht doch mittendrin kapitulieren, könnte ich mir durchaus vorstellen, mir mal richtig schöne teure Shetlandwolle zu kaufen und damit loszulegen. Vorerst kämpfe ich aber mal an dieser Front weiter.

F. O. – Mojos für Steve

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Die häßlichsten Socken der Welt, ganz zweifellos. Aber auch die mit der besten Paßform, durch die diversen Wechsel zwischen Rippen und Rollen. Steve trägt selten handgestrickte Socken, aber wenn, müssen es Mojos sein.

  • Anleitung: Mojos
  • Wolle: ONline Supersocke Merino color 4fach Farbe 2550
  • Nadeln: 2.5 mm

Ein Stück Familiengeschichte

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Vintage ist ja groß in Mode. Aus Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ werden nicht nur alte Möbelstücke restauriert, sondern auch mal neue auf alt getrimmt, da werden alte Schnittmuster ausgegraben oder neue so angepaßt, daß die Kleidung diesen besonderen „alten“ Charme versprüht. Und dann gibt es da noch diese besonderen Schätze, die einem hin und wieder begegnen, so wie dieses hier.

Dieses alte Schätzchen ist ein Stück Familiengeschichte. Sie gehörte Ururgroßmutter Marie Brey. Marie wurde 1883 im Alter von gerade mal 32 Jahren Witwe, als ihr Mann, der von Beruf Schriftsetzer war, an einer Lungenkrankheit starb – keine Seltenheit in jener Zeit, als Gesundheitsschutz und Arbeitssicherung keine Rolle spielten. In jener „guten alten Zeit“ gab es praktisch keine soziale Absicherung wie Witwen- oder Waisenrente, Arbeitslosengeld oder Grundsicherung, deshalb mußte Marie einen Weg finden, sich selbst und ihre zwei Kinder zu versorgen. Also lud sie ihre tragbare Nähmaschine auf einen Handkarren und erledigte Näh- und Flickarbeiten für die besser situierten Familien, die sich einen solchen Service leisten konnten.

Ich muß sagen, ich habe die größte Hochachtung vor Marie. Diese Nähmaschine, so klein sie auch ist, hat ein ordentliches Gewicht – kein Vergleich zu unseren heutigen modernen Maschinen. Es hat sicher nicht wenig Kraft erfordert, die Maschine auf den Handkarren rauf und am Arbeitsplatz wieder vom Handkarren runter zu heben. Ich kann mir auch gut vorstellen, daß es an manchen Tagen auch alles andere als ein Vergnügen war, mit dem Handkarren loszugehen – bei Eisglätte und Schnee im Winter, oder in diesem ekelhaft naßkalten Novemberregen, der durch sämtliche Kleidungsstücke bis auf die Haut sickert.

Marie hat es geschafft, sie hat ihre Kinder großgezogen und für die Familie gesorgt. Ihre Nähmaschine ist in der Familie geblieben, schon fast 200 Jahre lang, und mit ihr die Erinnerung an eine besondere Frau.