Ein Stück Familiengeschichte

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Okay, ich gebe es zu, ich stehe auch so ein bißchen auf "vintage", wie auch immer man das definieren mag. Und ich freue mich immer, wenn ich ein Stückchen Familiengeschichte bekommen und bewahren kann. Wie dieses besondere Schätzchen zum Beispiel.

Diese Nähmaschine hat Ur-Urgroßmutter Marie Brey gehört. 1883 wurde Marie Witwe, im Alter von gerade mal 32 Jahren. Ihr Mann, ein Schriftsetzer, starb an einer Bleivergiftung - leider kam das seinerzeit gar nicht mal so selten vor, Arbeitsschutzvorschriften gab es kaum bis gar nicht, ebenso wie soziale Absicherung für Familienangehörige. Ohne finanzielle Unterstützung wie z. B. Witwenrente mußte Marie einen Weg finden, sich und ihre zwei Kinder zu ernähren. Also lud sie ihre tragbare Nähmaschine auf einen Handwagen und zog los, um Näh- und Flickarbeiten in den besser situierten Haushalten - also denen, die diesen Service bezahlen konnten und wollten - zu erledigen.

Ich muß sagen, ich habe die größte Hochachtung vor Marie. Diese Nähmaschine ist nämlich nicht gerade ein Leichtgewicht, kein Vergleich zu unseren heutigen modernen Nähmaschinen. Ich kann mir vorstellen, daß es gerade im Winter einiges an Überwindung gekostet haben dürfte, das schwere Gerät mit klammen oder gar steifgefrorenen Fingern auf- und abzuladen und herumzuschleppen. Oder überhaupt mit dem Handkarren loszuziehen auf vereisten Straßen und Fußwegen, oder in diesem kalten, nie aufhörenden Novemberregen, der es immer irgendwie schafft, durch sämtliche Kleiderschichten bis auf die Haut zu sickern.

Sie hat ihre Kinder großbekommen. Und ihre Nähmaschine ist in der Familie geblieben. Ein Stück Familiengeschichte zur Erinnerung.

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