Einfach mal fotografieren

Es ist viel zu heiß, um rauszugehen. Zu heiß zum Draußensitzen. Zu heiß zum Stricken. Zu heiß zum Nähen, weil ich das im Schlafzimmer mache, und das ist unterm Dach. Also kurz gesagt, es ist zu heiß zu allem. Deshalb sitze ich im kühlen, dunklen Wohnzimmer und schaue alte Fotos durch.

2020 hatte ich die Idee, ein Fototagebuch zu führen und jeden Tag ein Foto zu machen. Hat natürlich nicht jeden Tag geklappt, und die einen oder anderen Fotos waren auch nicht so besonders gelungen, aber es hat Spaß gemacht, die Fotos Monat für Monat auf meine Fotoseite hochzuladen und immer mal wieder durchzuschauen. Ich habe das eine oder andere dazugelernt und im wahrsten Sinne des Wortes Erinnerungen geschaffen, und nebenbei hat es so viel Spaß gemacht, daß ich beschlossen habe, 2021 damit weiterzumachen. Es stellte sich allerdings schnell heraus, daß 2021 ein schwieriges Jahr werden würde – genauer gesagt stellte sich das am 22. Januar heraus, als meinen Kolleginnen und mir eröffnet wurde, daß die Filiale einer Modekette, in der wir arbeiteten, in Kürze geschlossen würde und wir alle entlassen waren. Der Rest des Jahres war ein ziemliches Auf und Ab zwischen Jobsuche, gesundheitlichen Problemen und der „Kopf hoch, wenn der Hals auch schwarz ist“ – Attitüde, die meine Oma mir beigebracht hat. Täglich Fotos zu machen, hatte keine Priorität mehr, aber ein paar gute Bilder sind mir trotzdem gelungen.

Manchmal fehlt mir das tägliche Rausgehen und Motive suchen, aber ich weiß, ich würde nicht nochmal ein ganzes Jahr schaffen. Dafür habe ich jetzt einfach mal meine Lieblingsfotos aus den beiden Jahren herausgesucht und Gallerien erstellt. 2022 habe ich zwar deutlich weniger fotografiert (und auch deutlich weniger zielgerichtet), aber ich denke, am Ende des Jahres werde ich trotzdem eine Seite füllen können. Die schönste Fotojahreszeit kommt ja auch erst noch.

„Der Morgen davor und das Leben danach“ – Ann Napolitano


Klappentext:
An einem Sommermorgen besteigen der zwölfjährige Edward und seine Familie ein Flugzeug, das sie von New York nach Los Angeles bringen soll. Auf halbem Weg über das Land, stürzt das Flugzeug ab. Edward ist von einhundertsiebenundachtzig Passagieren der einzige Überlebende. Was geschah in den Stunden davor? Wie geht sein Leben nach dem schmerzvollen Verlust weiter?
Die atemberaubende Odyssee eines Jungen, dessen einsames Herz wieder lernen muss zu lieben.

Meine Meinung: Ann Napolitano gelingt hier ein interessanter Balanceakt – wie schildert man das Trauma eines Kindes, ohne dabei wertend oder übermäßig sentimental zu werden? Sie erzählt die Geschichte von Edwards Leben „danach“ ruhig und eher matter-of-fact-mäßig, in Rückblenden erfährt der Leser, was im Flugzeug passiert ist. Die Charaktere sind authentisch, bis hin zu dem verstörten, traumatisierten Edward, die Geschichte entwickelt sich logisch und schlüssig. Zwei Kritikpunkte habe ich aber auch – zum einen war das Happy End fast ein bißchen zu happy, zum anderen fand ich die detaillierte „Analyse“ des eigentlichen Absturzes, komplett mit Transcript des Flugschreibers, etwas pietätlos, denn das hat die Autorin sich aus dem tatsächlichen Transcript eines ähnlichen Flugzeugabsturzes abgeschrieben, den sie – wie sie selbst erklärt – als Vorbild für ihren fiktiven Absturz genommen hat. Da war mein Gedanke dann, wie schlimm es für die Angehörigen der Opfer des tatsächlichen Absturzes wohl sein muß, das Geschehen als Teil einer Romanhandlung wiederzufinden.

Meine Bewertung: 8 von 10 Sternen

„Bella Germania“ – Daniel Speck

Klappentext:
»Er reichte mir ein altes Foto. Ein junges Paar vor dem Mailänder Dom. Die Frau hatte schwarze Haare und sah aus wie ich. Es war, als blickte ich direkt in einen Spiegel. ›Das ist Giulietta‹, sagte er, ›deine Großmutter.‹«
München, 2014: Die Modedesignerin Julia ist kurz vor dem ganz großen Durchbruch. Als plötzlich ein Mann namens Vincent vor ihr steht, der behauptet, er sei ihr Großvater, gerät ihre Welt aus den Fugen.
Mailand, 1954: Der junge Vincent fährt von München über den Brenner nach Mailand, um dort für seine Firma zu arbeiten. Er verfällt dem Charme Italiens, und er begegnet Giulietta. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch sie ist einem anderen versprochen.
Eine tragische Liebe nimmt ihren Lauf, die auch Jahrzehnte später noch das Leben von Julia völlig verändern wird.

Meine Meinung: Wow. Zuerst tat ich mir ein bißchen schwer mit Specks Erzählstil, er wirkte so hart und kalt auf mich. Aber erzählen kann er wirklich … die Geschichte hat mich in kürzester Zeit so gepackt, daß ich das Buch nicht mehr weglegen konnte. Es gibt wenige Bücher, die mich bis in die frühen Morgenstunden wachhalten und mir nach dem Fertiglesen noch tagelang im Kopf bleiben, aber dieses hat es geschafft. Speck erzählt ja nicht einfach eine Familiengeschichte, sondern auch eine gute Portion der deutschen Geschichte, und ich denke mal, die meisten derjenigen, die vor 1990 geboren sind, finden sich in der einen oder anderen Szene wieder. Der geschichtliche Hintergrund ist gut recherchiert, die Geschichte schlüssig und folgerichtig erzählt, die Charaktere wirken so lebensecht, daß man beim Lesen meint, so einen oder eine kennt man doch auch. Allerdings gab es auch ein paar Situationen, da hätte ich Julia gerne gepackt und geschüttelt, aber im Grunde ist ihr Verhalten absolut schlüssig aus ihrer persönlichen Situation heraus.

Meine Bewertung: 10 von 10 Sternen

Fotohintergrund basteln Teil 1

Sperrholz und bunte Folie

Manchmal möchte ich einen besonderen Hintergrund für ein Foto. Zum Beispiel für ein Flatlay oder für Blumen. Es ist schlicht unmöglich, so viele verschiedene Hintergründe im Haus zu finden. Man kann sich aber Fotogründe ganz einfach und relativ kostengünstig selbermachen.

Ich habe für den Anfang mal Sperrholzplatten in A2 genommen, die gibt es in der Bastelabteilung im Baumarkt. Sie sind recht dünn und deshalb auch schön leicht, lassen sich gut aufbewahren und sehr individuell gestalten. Für die erste Platte habe ich diese bunte Klebefolie benutzt. Einfach abmessen, zuschneiden …

Folie aufkleben, möglichst gerade bitte

… und dann bitte möglichst gerade aufkleben. Zwischendurch natürlich immer schön glatt streichen, damit es keine Blasen gibt. Die überstehenden Ränder lassen sich sehr gut mit einem Cuttermesser entfernen – aber bitte vorsichtig, denn das Bastelsperrholz ist so weich, daß man da schnell mal versehentlich ein Stück rausgeschnitten hat.
Und so kann das dann aussehen:

Ich habe die Folie auf beiden Seiten aufgeklebt, einmal längs, einmal quer, für vielfältige Möglichkeiten.
Die Kreidefarbe kommt dann beim nächsten Hintergrund zum Zug, aber das ist dann ein neuer Post.